22.11.2011
Drei Türkinnen sind durch einen Brandanschlag ums Leben gekommen. Das Feuer wurde von einer rechtsradikalen Gruppe gelegt. Das Verbrechen ist nun 19 Jahre her. Die Tat und vor allem die Opfer bleiben unvergessen. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung aufrecht zu erhalten; denn Erinnerung schafft Bewusstsein.
Die Gewalttat, motiviert durch Fremdenfeindlichkeit, hat damals viele Menschen in Deutschland tief erschüttert. Man musste einsehen, dass nicht genug gegen Intoleranz und Diskriminierung unternommen wurde. Leider muss man auch heute noch feststellen, dass nicht konsequent genug gegen Rechtsradikalismus und Rassismus vorgegangen wird. Die jüngsten Erkenntnisse in der Mordserie zeigen, dass die rechtsradikale Gewalt immer noch vorhanden ist und die Vorkehrungen immer noch unzureichend sind.
Nur durch Solidarität und gegenseitige Akzeptanz können wir eine gemeinsame Basis für ein friedliches Miteinander finden. Deutschland ist vielfältig, wir können gemeinsam dazu beitragen, dass es friedlich ist.
Wir rufen dazu auf an der Gedenkveranstaltung am Mittwoch, dem 23. November 2011 um 18:00 Uhr teilzunehmen. Die Veranstaltung findet vor der Mühlenstr 9 in 23879 Mölln statt. Anschließend folgt ein Besuch bei Familie Arslan.
27.10.2011
Am 25.10.2011 wurden die Leistungen der ersten „GastarbeiterInnen“ aus der Türkei bei einer Festveranstaltung gewürdigt. Die Veranstaltung fand im Plenarsaal des Landtages statt. Ein würdiger Ort für die größtenteils türkischstämmigen BesucherInnen, deren Leistungen und Erfolge an diesem Abend hervorgehoben wurden.
Landtagspräsident Torsten Geerdts sprach von einem Optimismus, dass Integration in diesem Land weiter vorangetrieben wird. Dazu sei aber ein anderer Blickwinkel nötig, der zeige, dass wir vor den gleichen Herausforderungen stünden und diese gemeinsam angehen müssten.
Der Landesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V., Herr Dr. Cebel Küçükkaraca, ging in seiner Rede auf die Bedeutung der Teilhabechancen für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund ein. Die Partizipation ermögliche eine langfristige Einbindung aller in die Gesellschaft. Die ständige Sicht auf Probleme und Integrationsunwilligkeiten grenze die Menschen aus. Diese Ausgrenzung schade, aufgrund der ungenutzten Ressourcen, langfristig eher Deutschland. Denn eine Zukunft ohne Vielfalt sei nicht denkbar. Schließlich verwies er auf die beiderseitige Verantwortung. Integration setze gleichermaßen eine Bereitschaft und eine Anerkennung voraus. Bereitschaft müsse gefordert, Anerkennung vorgelebt werden.
Der Generalkonsul der Republik Türkei vom Hamburger Konsulat, Herr Devrim Öztürk, setzte mit seiner deutschen Rede ein Zeichen für die Integration. Mittlerweile seien auch Erfolgsgeschichten von Türkischstämmigen in Deutschland vorhanden. Deutschland habe einen Anteil an diesen Geschichten. Er bedankte sich für die Möglichkeiten, die den nationalen Minderheiten in Deutschland eingeräumt werden.
In seiner Rede stellte der Landesgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Schleswig-Holstein, Herr Michael Selck, die nun mehr 40 Jahre währende Migrationsarbeit der AWO vor. Vieles sei schon erreicht, aber immer noch würden Bereiche vernachlässigt werden. Herr Selck versuchte die Öffentlichkeit für diese Bereiche zu sensibilisieren, indem er Forderungen stellte, wie z.B. die Anerkennung der doppelten Staatsbürgerschaft für alle Nationalitäten und die Anerkennung der im Ausland erworbenen Bildungsabschlüsse.
Prof. Dr. Herrmann Heidrich von der Forschungsstelle Lebensgeschichtliches Archiv an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel stellte die Erkenntnisse der einjährigen Forschung mit dem wissenschaftlichen Verfahren „Oral History“ an Menschen mit türkischem Migrationshintergrund vor. Er sagte, dass sich die Einheimischen und die Zugezogenen noch zu wenig kennen. Die vorhandenen Unterschiede seien keine unterschiedlichen Kulturmodelle, sondern vielmehr unterschiedliche Familienmodelle. Er forderte das Ende der Ausgrenzungen und teilte mit, dass kein Weg an der Vielfalt vorbei führe. Zum Abschluss wünschte er allen Beteiligten mehr Empathie, Anerkennung, Respekt, Geduld und Gelassenheit.
Frau Gülüfer Karakaş, Frau Gülistan Yavuzoğlu, Frau Ayten Treuschel, Herr Orhan Aldemir und Herr Hans-Ulrich Stangen waren die Zeitzeugen, die an dem Abend den Gästen vorgestellt wurden. Sie schilderten, wie sie nach Deutschland gekommen sind, wo sie gearbeitet haben, mit welchen widrigen Umständen sie zu kämpfen hatten, wo sie sich ehrenamtlich engagierten, wie sie sich in Gewerkschaften organisierten und schließlich mit der Zeit Teil der Gesellschaft wurden.
Nach einer umjubelten musikalischen Einlage von der Band „Murat & Friends“ wurden Preise für besondere Integrationsdienste vergeben.
Der Minister für Justiz, Gleichstellung und Integration, Herr Emil Schmalfuß, und der Vorstandsvorsitzende der Investitionsbank, Herr Erk Westermann-Lammers, verliehen insgesamt 16 Preise.
Den mit 2.500 € dotierten Integrationspreis für „Hauptamtliche“ hat die „Waldschule Flensburg“ gewonnen. Den mit ebenfalls 2.500 € dotierten Integrationspreis für „Ehrenamtliche“ erhielt der „Ambassador Club Concordia Lübeck“.
Darüber hinaus zeichnete der Integrationsminister noch weitere fünf hauptamtliche und fünf ehrenamtliche Integrationsprojekte und Unternehmen mit Urkunden aus.
Die Preisträger bei den Hauptamtlichen sind namentlich:
Die Hansestadt Lübeck für einen Gesundheits-Atlas, das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland für das Projekt „Diverse City Eutin“, die Landeshauptstadt Kiel für das Projekt „Regionales Übergangsmanagement“, die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein für 15 Jahre Integrationsarbeit, der Kinderschutzbund Ostholstein für erfolgreiche Flüchtlingsarbeit.
Die Preisträger bei den Ehrenamtlichen sind namentlich:
Die Kreishochschule Plön für das „Sprachpatenprojekt“, Herr Hamed Chaudry für den Film „Ankerwurf in Deutschland“, Herr Tahir Chaudry für die monatliche Sendung im OK Flensburg „Brennpunkt Islam“, lifeline e.V. für die erfolgreiche Flüchtlingsarbeit im Bereich der Vormundschaft, die Bürgerstiftung Ratzeburg für schulübergreifende Projektwochen in Ratzeburg.
Herr Erk Westermann-Lammers vergab als Vorsitzender des Vorstandes der Investitionsbank einen Sonderpreis. Die Gesellschaft Franke Heimbau erhielt für ihr Projekt “Gustav-Schatz-Hof” den Geldpreis. Drei weitere Unternehmen wurden für Integrationsprojekte mit Urkunden honoriert.
Im Anschluss konnten die rund 400 BesucherInnen bei einem Büfett vom Restaurant Mega Saray stärken.
Die Festveranstaltung war gleichzeitig die Eröffnung der Ausstellung „Ein halbes Jahrhundert in Kiel“, die aus drei Teilen besteht.
Ein Teil der Ausstellung wurde von Ender Çatalbaş im Auftrag der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V. erstellt. Ausgewählte Bilder erzählen die Geschichte der ersten GastarbeiterInnen, die ihre Heimat verlassen haben, um in dem Land zwischen den Meeren ein neues Zuhause zu finden.
Ein weiterer Teil dieser Galerie ist die Ausstellung “Die ersten Türken von Neumünster”, die vom Kreisvorsitzenden der Türkischen Gemeinde Neumünster, Herrn Tufan Kıroğlu, geschaffen wurde. Herr Kıroğlu hat die Lebensgeschichte von 12 NeumünsteranerInnen, die aus der Türkei stammen, auf Roll-Ups zusammengestellt. “Die ersten Türken von Neumünster” ist auch in Buchform erschienen.
Der dritte Teil der Ausstellung ist eine begehbare Medieninstallation, die der Kieler Künstler Tamer Serbay geschaffen hat. Am Beispiel einer Frau, die 1969 aus Anatolien nach Schleswig-Holstein kam, zeichnet er den Lebensweg schleswig-holsteinischer “GastarbeiterInnen” nach.
Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V., Diedrichstraße 2, 24143 Kiel,
Tel.: 0431/ 76 114/15 oder Tel.: 0431/ 364 1722/23
E-Mail: info@tgs-h.de
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
22.10.2011
Die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V. verurteilt die äußerst brutalen und menschenunwürdigen Terrorangriffe vom 19. Oktober 2011 aufs Schärfste und betrauert gemeinsam die Toten, die in Folge dieser Angriffe ihr Leben verloren haben. Unser Beileid gilt den Familien und Angehörigen der getöteten Menschen.
Der Schmerz, den nicht nur die Familien und Angehörigen, sondern eine gesamte Nation und sein Volk zu erleiden hat, ist zu groß, als dass man ihn in Worte fassen könnte.
Die Angriffe unterwandern jegliche menschlichen und moralischen Werte und sind ein Rückschlag für den bisher erlangten demokratischen Frieden in der gesamten Region. Unter Zugrundelegung der vorangetriebenen verfassungsrechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Fortschritte können die Angriffe nur als eine Blockade und Verweigerung dieser Fortschritte für die gesamte Bevölkerung gewertet werden. Der Terror ist und bleibt kein politisches Mittel, mit dem Demokratie und Menschlichkeit erreicht werden können.
Wir möchten daher an die gesamten Bevölkerung, auch die im Ausland lebenden Mitbürgerinnen und Mitbürgern egal welcher Ethnizität, appellieren Ruhe zu bewahren, Provokationen nicht zu unterliegen und gemeinsam für den Frieden einzutreten.
10.09.2011
Die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein ist entsetzt und tief betroffen über den Anschlag gegen die koptische Kirche in der ägyptischen Stadt Alexandria und verurteilt diesen aufs Schärfste. Die TGSH teilt die Trauer der Opfer und derer Angehörigen und wünscht Ihnen viel Kraft, damit sie diese schwere Zeit gemeinsam überstehen können.
Die TGSH möchte wiederholt betonen, dass keine Religion derartige Akte des Hasses und der Intoleranz fördert. Es gibt keine Rechtfertigung für eine solche Tat.
Der Landesvorsitzende Dr. Cebel Küçükkaraca: “Unser Mitgefühl mag diesen Anschlag und die Schmerzen der Betroffenen nicht ungeschehen machen, doch hoffen wir durch unsere Anteilnahme den Verletzten und Hinterbliebenen zeigen zu können, dass sie nicht alleine sind. Sie sollten sicher sein, dass wir in solchen Momenten bei Ihnen sind und dass Sie unsere Solidarität aus vollem Herzen genießen.”
27.04.2011
Der Geschäftsführende Bundesvorstand der Türkischen Gemeinde in Deutschland hat auf die Rücknahme der Ausschlussanträge durch die SPD-Führung mit Entsetzen und Empörung reagiert.
“Die Deutschland-Türken verurteilen dieses Vorgehen der SPD-Führung aufs Schärfste”, erklärte der Geschäftsführende Bundesvorstand in einer ersten Stellungnahme.
“Die rassistischen Äußerungen des Herrn Sarrazin sind durch die Rücknahme der Ausschlussanträge legitimiert worden. Die Erklärung des Herrn Sarrazin beinhaltet keinerlei Distanzierungen von seinen Äußerungen, sie verstärkt sogar seine Thesen durch diese Erklärung. Dass die SPD-Führung diese Erklärung für ausreichend hält und den Antrag zurückzieht, zeigt, dass sie gar nicht gewillt war, Herrn Sarrazin aus der Partei auszuschließen, sonst hätte sie am Verfahren festgehalten. Die SPD ist vor den populistischen und rassistischen Sichtweisen eingeknickt.”
Die SPD habe mit diesem Schritt die ohnehin beschädigte Glaubwürdigkeit innerhalb der Migrantencommunitys eingebüßt. Es werde nicht mehr ausreichen, diesen Vertrauensverlust mit irgendwelchen symbolischen Aktionen zurückzugewinnen.
“Wahrscheinlich habe die SPD-Führung den in der Gesellschaft stattfindenden Rechtsruck durch Festhalten an Sarrazin auch in ihre Reihen transportiert”, erklärte der Geschäftsführende Bundesvorstand.
Die Türkische Gemeinde in Deutschland rief alle SPD Mitglieder, darunter auch die türkischstämmigen Mitglieder und Mandatsträger/innen zu Protesten auf.
Der Geschäftsführende Bundesvorstand:
Kenan Kolat – Hilmi Kaya Turan – Bahattin Kaya – Dr. Elif Cındık – Dr. Cebel Küçükkaraca – Hüseyin Yılmaz – Tayfun Çilingir – Deniz Güner – Ömer Köşkeroğlu
22.11.2010
Im Rahmen des diesjährigen Tages gegen Gewalt an Frauen am 25. November finden wieder landesweit Aktionen und Veranstaltungen statt.
Heute (22. November 2010) wurde die Aktionswoche mit einer Rede vom Gleichstellungs- und Integrationsminister Emil Schmalfuß im Rathaus in Geesthacht eröffnet. Im Anschluss wurden gemeinsam mit dem Landesvorsitzenden der Türkischen Gemeinde Schleswig-Holstein, Dr. Cebel Kücükkaraca, Lebensmitteltüten vor einem türkischen Supermarkt verteilt. Auf und in den Tüten befinden sich mehrsprachige Informationen, die auf die Rechte von Frauen auf ein gewaltfreies Leben hinweisen. Seit drei Jahren werden in türkischen Bäckereien und Supermärkten mehrsprachig bedruckte Gemüsetüten verteilt, um auch Frauen mit Migrationshintergrund zu erreichen. In diesem Jahr wurden 60.000 Tüten bedruckt. „Es ist uns enorm wichtig, mit diesem niedrigschwelligen Angebot auch Migrantinnen zu erreichen und über die zahlreichen Beratungs- und Hilfeangebote zu informieren“, sagte Schmalfuß.
Dr. Cebel Küçükkaraca sagte: “Wir unterstützen die Aktion seit fünf Jahren bundes- und landesweit, da nach wie vor viele Frauen in ihren Familien von häuslicher Gewalt betroffen sind. Es ist wichtig, bestärkt das Thema immer wieder in das Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken und es nicht länger als Privatsache abzutun. Daher freuen wir uns, dass wir nun seit drei Jahren mit dem Ministerium für Justiz, Gleichstellung und Integration die landesweite Aktion “Gewalt kommt nicht in die Tüte” begleiten, die über Geesthacht hinaus dieses Mal Kiel, Neumünster und Lübeck umfasst. Betroffene Gewaltopfer – insbesondere Frauen türkischer Herkunft mit sprachlichen Barrieren – unterstützen wir weiterhin bei der Suche nach vorhandenen Beratungs- und Hilfsangeboten.”
In Kiel findet die Gemüsetüten-Aktion am Donnerstag, den 25.11.2010 um 10:00 Uhr vor dem Sultan-Markt statt und in Lübeck am 27.11.2010 um 13:00 Uhr vor dem Özka-Markt und Ocakbasi Restaurant.