15 Jahre nach dem Brandanschlag von Solingen

Auch wenn 15 Jahre seit diesem traurigen Tag vergangen sind, muss man feststellen, dass dies leider kein singuläres Ereignis war, sondern dass Rassismus und Gewalt gegen Einwanderer leider noch an der Tagesordnung sind. An die Stelle von anfänglicher Bestürzung und ehrlichem Entset-zen sind in dem gleichem Maße allgemeine Gleichgültigkeit gewachsen wie leider auch rechtsex-treme Gewalttaten. Zudem muss man zugeben, dass viele rechtsextreme Delikte oft nicht in die Statistiken aufgenommen werden.

Dabei darf man den latenten Alltagsrassismus, dem viele Einwanderer ausgesetzt sind, aber nicht unterschätzen. Er ist zwar nicht so öffentlichkeitswirksam wie Glatzköpfe in einer sogenannten „No-go-area“, schmerzhaft sind solche Erfahrungen für die Betroffenen dafür allemal.

Allzu häufig wird die Integrationsdebatte in die falsche Richtung gelenkt. Anstatt über soziale und wirtschaftliche Integration zu reden, werden Einwanderer häufig kriminalisiert und man beklagt sich über eine unmögliche kulturelle Integration. Dadurch spielt man rechtsextremen Kräften na-hezu in die Hände und gießt weiteres Öl auf das Feuer, welches diese zu schüren versuchen. Um diesen Kräften weiter das Wasser abzugraben, muss schon viel früher angefangen werden. Leider werden Vorurteile den Betroffenen schon von Kindesbeinen an von ihrer Umgebung mitgegeben. Daher sollten Pädagogen schon in der Schule frühzeitig eingreifen, mangelnde Bildung und eigene soziale Probleme werden sonst in der Zukunft dieser Kinder wieder auf andere projiziert und zu oft sind es die Einwanderer die wieder an allem Schuld sind.

Um allen in Deutschland eine faire Perspektive zu bieten, muss man in Zukunft mit Ehrlichkeit und Respekt auf die Migranten zugehen und ihnen zeigen, dass es sich lohnt, in Deutschland zu leben und sich in das System einzufügen. Rechtsextreme versuchen aber, den Menschen jegliches Hei-matgefühl in Deutschland zu nehmen, da muss sich die Zivilgesellschaft geschlossen und mit Mut entgegenstellen und zeigen, dass sie für Einwanderer sind und an eine gemeinsame Zukunft glau-ben.

Das Gedenken zum 15. Jahrestag in Solingen soll die Entschlossenheit aller Demokraten gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Ausgrenzung zum Ausdruck bringen. Mit Nachdruck wird demonstriert, dass Zusammenarbeit und gemeinsames Gedenken gegen Rassismus Wirkung zeigt.

Dr. Cebel Kücükkaraca
Landesvorsitzender

Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein ruft zur starken Wahlbeteiligung auf

Die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein ruft alle Wählerinnen und Wähler zur Wahlbeteiligung an der Kommunalwahl 2008 am kommenden Sonntag auf. „Es ist für das Fortbestehen und die stete Entwicklung der Demokratie unabding-bar, dass alle wahlberechtigten Bürger sich an der politischen Willenbildung betei-ligen, indem sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen“, so der Vereinsvorsit-zende, Dr. Cebel Kücükkaraca.

„Eine hohe Wahlbeteiligung der Migranten ist in eigenem Sinne wichtig. Nur so könne man sicherstellen, dass eigene Wünsche und Interessen in Zukunft fair be-rücksichtigt werden“, betont Dr. Kücükkaraca. Einwanderungs- und Integrations-politik soll gemeinsam durch die aufnehmende Gesellschaft und die Migranten gestaltet werden. Eine aktive Beteiligung am politischen Geschehen sichert, dass migrantenrelevante Themen partnerschaftlich erarbeitet und Lösungen für Prob-leme gemeinsam gefunden werden. Auch im Hinblick darauf, dass der Einzug der NPD Kandidaten in die kommunalen Gremien nach dem Wegfall der 5% Sperr-klausel verhindert werden muss, ist eine hohe Wahlbeteiligung der demokrati-schen Wählerinnen und Wähler notwendig.

Absage an den Terror

Angesichts der jüngsten Ereignisse im Südosten der Türkei verurteilen wir die Terroranschläge der PKK und trauern um die Opfer. Gewalt, Hass und Terror kann nicht die Grundlage eines friedlichen Zusammenlebens sein und wird in dieser Region nicht für Stabilität sorgen.

Leider unterliegt man bei der hiesigen Berichterstattung oft der Versuchung, den Terror, welcher der Türkei in den letzten Jahren über 35.000 Tote be-schert hat, nicht objektiv zu bewerten. Der Konflikt wird entweder als Argu-ment gegen den EU-Beitritt der Türkei verwendet oder der Terror als legiti-mes Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele verharmlost. Beides ist unserer Meinung nach nicht nur sachlich falsch, sondern unfair gegenüber den un-schuldigen Opfern und setzt ein falsches Zeichen gegenüber gewaltbereiten Menschen, die hoffen, durch Anschläge auf die Freiheit und die Demokratie ihre eigenen Ziele durchsetzen zu können.

Der Terror verhindert einen geregelten Verständigungsprozess zwischen den Konfliktparteien und lenkt von normalen Konfliktlösungsmitteln unterhalb der Gewaltgrenze ab. Gerade in einem multiethnischen Land wie der Türkei, kann Terror als akzeptabler Weg der Konfliktbewältigung nicht in Kauf ge-nommen werden. Im Kampf gegen Unrecht und Terror sollte die internatio-nale Staatengemeinschaft Einigkeit demonstrieren, indem Terror nicht mit unterschiedlichen Maßstäben bewertet, sondern gemeinsam geächtet wird.

Dr. Cebel Kücükkaraca
Landesvorsitzender

Die TGSH trauert um Hrant Dink

Die TGS-H verurteilt den Mord an dem türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink und spricht seinen Familienangehörigen und Freunden gegenüber ihr Beileid aus.

Als kritischer Demokrat forderte und förderte Hrant Dink einen offenen Dialog im Streit um den türkisch-armenischen Konflikt von 1915. Da er sich entschlossen hatte, für keine Seite Partei zu ergreifen, sondern zwischen allen Stühlen stand, hat er beide Seiten des Konflikts stets zur Selbstkritik ermahnt und zur Versöhnung ermutigt. Um ein Zeichen zu setzen, das in Zukunft derartige Taten verhindern soll, ist eine zügige Aufklärung der Tat und die Festnahme des Täters unabdingbar.

Um dem Vermächtnis von Hrant Dink gerecht zu werden, werden nun alle in die Pflicht genommen, seinen Wunsch und sein Wirken nach Versöhnung weiter zu tragen und nicht durch diese feige Tat verstummen zu lassen. Es muss weiterhin im Sinne einer demokratischen Öffentlichkeit möglich sein, unversehrt Meinungen zu äußern und sich für den eigenen Standpunkt einzusetzen.

Dr. Cebel Kücükkaraca
Landesvorsitzender

“Praktikum und Ausbildung heute: Was erwarten Jugendliche und Arbeitgeber voneinander”

Am Mittwoch, 13. Dezember 2006 um 15.30 Uhr lud die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V., im Rahmen ihres Projektes „AusbildungsNetzwerke für Migrant/innen in Schleswig-Holstein“ – ANMSH, zu einer Diskussion zwischen Schüler/innen und Arbeitgebern aus Kiel. Die Veranstaltung mit dem Titel „Praktikum und Ausbildung heute: Was erwarten Jugendliche und Arbeitgeber voneinander?“ wurde von der stellvertretenden Landesvorsitzenden Frau Astrid Mackeprang eröffnet und sollte diejenigen miteinander ins Gespräch bringen, die diese Thematik betrifft.
Über 100 Gäste, darunter zahlreiche Schüler/innen der 8.-10. Klassen verschiedener Kieler Schulen waren erschienen, in denen die Diplom-Pädagogin Derya de Lor für das ANMSH-Projekt mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu beruflichen Orientierung arbeitet. Nachdem Frau de Lor das Projekt kurz vorgestellt hatte, waren die Schüler/innen so couragiert, ihre Erwartungen vor dem Publikum und den Arbeitgebern vorzutragen. Als Hauptanliegen in allen Gruppen sind der Wunsch nach Respekt, Freundlichkeit, „Nicht-nur-putzen-müssen“ und angemessenen Pausen zu nennen.
Für die Arbeitgeber, alle mit Migrationshintergrund, saßen Göksel Bahadir Böttcher als Ausbildungseinstellungsberater der Landespolizei, Herr Atilla Taşbaşı Inhaber einer Reisebüro und Herr Sadik Baysal als Elektrikermeister mit eigenem Betrieb auf dem Podium. Sie sind in ihren Ausführungen direkt auf die Gedanken der Schüler/innen eingegangen.
Aktuell und anschaulich konnten sie aus ihrem „Alltag als Chef“ berichten und auch ihre Anforderungen an die Auszubildenden in ihren Betrieben formulieren. Dabei nahmen sie die Gedanken der Schüler/innen ernst, wiesen sie aber auch darauf hin, dass man als Auszubildender „unten“ anfängt und noch nicht zu allen Aufgaben herangezogen werden kann.
Alle unterstrichen sie die Bedeutung von Praktika bei der Lehrstellensuche, animierten zum persönlichen Einsatz und zur Neugier. Einer sprach vom „Feuer im Blick“ für den zukünftigen Beruf, das er manchmal bei Bewerber/innen erkennen kann. Weiter gaben sie den Schüler/innen mit auf den Weg, nicht jede Absage als Diskriminierung zu empfinden. Immer wieder appellierten sie an die Eigeninitiative der Jugendlichen und ihren Willen zum Erfolg.
Dies wurde noch besonders unterstützt durch eine junge Unternehmerin (23 Jahre, Frau Erekmen) aus dem Publikum, die im Bereich der Automatik- und Getriebedienst arbeitet und händeringend Azubis im KFZ und Bürobereich sucht. Die eindrucksvollen Ausführungen über ihren eigenen Werdegang, hinterließen den Eindruck: Wenn ich es will, dann schaffe ich es!“
Die Diskussion, die in einer offenen und interessierten Atmosphäre stattfand, wurde später bei einem kleinen Imbiss im Foyer fortgesetzt.
Die TGS-H dankt allen Besucher/innen ganz herzlich für ihr Kommen, wobei ein besonderes Dankeschön an die SchülerInnen der Muhliusschule, der Fridtjof-Nansen-Schule und der Realschule BZM geht.
Unter unseren Gästen durften wir begrüßen:
Schulen
Muhliusschule- Klassenlehrer Herr Clausen
Fridtjof-Nansen-Schule- Schulleiterin Frau Kohrs-Heimann
Toni-Jensen-Gesamtschule-Schulleiter Herr Peter Swane
Realschule BZM
Berufliche Schule Gaarden- Herr Paasch und Herr Akkaya

Frau Schlahn, Ministerium Wirtschaft, Wissenschaft und Verkehr des Landes SH
Herr Schawa, Agentur für Arbeit
Frau Özlem Ünsal , AWO
Frau Özlem Aykan Ünsal, IHK
Herr Etem Kücük, Dipl. Ingenieur
Herr Çıtak, PAV Nord
Herr Irmak, Telekommunikation
Frau Stieler, Dipl. Pädagogin

Interessierte Eltern

Gedenken an die Opfer von Mölln – Erinnerung als Mahnwache

Gedenken an die Opfer von Mölln – Erinnerung als Mahnwache

Vor vierzehn Jahren sind drei türkischstämmige Migrantinnen in Mölln durch einen von Rechtsradikalen verübten Brandanschlag ums Leben gekommen. Das Gedenken der Opfer entspringt unserem Mitgefühl mit den Angehörigen und aus dem Bewusstsein heraus, dass das Vergessen den Boden für neue Gewalttaten dieser Art ebnet.

Die Öffentlichkeit war damals schockiert. Es war klar, dass Intoleranz, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit noch unter uns weilte. Heute stellt man leider immer noch fest, dass nicht konsequent genug gegen Diskriminierung und Rassismus vorgegangen wird. Anhänger der rechtsradikalen Szene veranstalten regelmäßig Demonstrationen in allen Teilen des Landes und sie nehmen offen am öffentlichen politischen Geschehen teil. Sie finden Gehör wo sie nur Ablehnung verdienen.

Die Gewalttat von Mölln und die Erinnerung daran sollen nicht schweigend zur Akte gelegt werden. Erinnerung schafft Bewusstsein. Dieses wird uns nützlich sein, das gefährliche Gemisch aus Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung zu erkennen und zu ächten.

Um der Opfer zu gedenken, findet am 23.11.06 um 19.00 Uhr in Mölln vor dem ehemaligen Wohnhaus der Opfer in der Mühlenstraße 9 eine Gedenkfeier statt.

Dr. Cebel Kücükkaraca
Landesvorsitzender