Die 6. Jahresmitgliederversammlung der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein

Die 6. Jahresmitgliederversammlung der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein (TGS-H) tagte gestern in Kiel. Zum Rahmenprogramm der Versammlung, die dem Thema Bildung gewidmet war, gehörte ein Vortrag von Professor Dr. Henning Wode, Universität Kiel, mit dem Titel: „Die Bedeutung der Sprachvermittlung in KiTas / Grundschule / Familie“. Der Vortrag machte deutlich, dass die Sicherung der Zukunft der Kinder nur durch gute Bildung gewährleistet werden kann. Dazu gehört Mehrsprachigkeit, die schon im frühkindlichen Alter zu fördern ist.

Die TGS-H beschloss ferner, eine landesweite Bildungsinitiative mit dem Ziel zu starten, Eltern, Lehrer und Schulen für die Belange der Migrantenkinder zu sensibilisieren und zu vertiefter Zusammenarbeit zu motivieren. Mit der Umsetzung eines 10-Punkte Programms möchte die TGS-H auf die Probleme der Migrantenkinder in den Schulen aufmerksam machen und kreative Lösungswege beschreiten.

Im Rahmen der Versammlung wurde ein neuer Vorstand gewählt. Der bisherige Landesvorsitzende Dr. Cebel Kücükkaraca, u.a. auch 2. Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland, wurde in seinem Amt bestätigt. Bei der Wahl der weiteren Amtsträger fand eine deutliche Verjüngung statt und die Anzahl der Frauen im Vorstand wurde erhöht. Der neue Vorstand setzt sich aus folgenden Mitgliedern zusammen:

Geschäftsführender Landesvorstand:

Landesvorsitzender: Dr. Cebel Küçükkaraca
Stellvertret. Vorsitzende: Göksel Böttcher, Astrid Mackeprang,
Aydan Gökkaya, Harun Kahveci
Kassenwart: Sadık Dumlu
Schriftführerin: Selvihan Koç

Landesvorstand:
Aysun Güneş, Emine Bitek, Mustafa Erdoğan, Yasemin Erdoğru,
Münever Çelebi, Tufan Kıroğlu, Mustafa Ahmetoglu, Nazan Malkoc
Ersatzmitglieder: Zerrin Mitbrodt, Zühtü Gök, Klaus Rönnefahrt, Enver Sahin

Kontrollrat: Ihsan Kasimoğlu, Cengiz Ulus, Haydar Şimşek,
Ayhan Şimşek (Ersatz), Ilker Mermer (Ersatz)

Erfolgreiche Arbeit kann fortgesetzt werden: Wirtschaftsminister fördert erneut türkisches Ausbildungsprojekt

“AIM” – Drei Buchstaben als Abkürzung für “Ausbildung und Integration für Migranten”, aber auch Synonym für ein erfolgreiches Ausbildungsprojekt der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V. (TG S-H). Seit mehr als sieben Jahren werden im Rahmen dieses Projektes junge Menschen mit Migrationshintergrund in allen Fragen der Ausbildung beraten und betreut.
Das Wirtschaftsministerium finanziert dieses Projekt in diesem Jahr mit rund 110 T Euro; insgesamt beläuft sich die Fördersumme auf mittlerweile rund 1,3 Mio. Euro. Und auch die Possehl-Stiftung unterstützt diese wichtige Arbeit in diesem Jahr in Form eines Schecks über 20 T Euro für das Beratungsbüro in Lübeck.

“Ich freue mich, dass auch in Zeiten mit schwieriger Haushaltslage dieses Projekt weiterhin Bestand hat”, erklärte Karin Wiedemann, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, bei der heutigen (08. September 2006) Übergabe des Bewilligungsbescheides an die TG S-H.
“Angesichts der Tatsache, dass die Zahl derjenigen Jugendlichen mit Migrationshin-tergrund, die eine duale Ausbildung aufnehmen, in den vergangenen Jahren zurückge-gangen ist, ist beharrliche Beratungstätigkeit durch Menschen mit demselben kulturellen Hintergrund von unschätzbarem Wert”, so Wiedemann. “Dies gilt insbesondere auch für Mädchen und junge Frauen, die aufgrund von Traditionen oder ihrer Erziehung keine Berufsausbildung anstreben.” Hier sei es erforderlich, durch Aufklärungsarbeit anzuset-zen und den Wert einer abgeschlossenen Ausbildung für die persönliche Entwicklung und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt darzulegen.

In Beratungsstellen in Lübeck und Elmshorn wird jungen Migrantinnen und Migranten Hilfestellung rund um die Schul- und Berufsausbildung geboten. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf den Mädchen und jungen Frauen, die unterproportional eine Berufsausbildung aufnehmen.
Ausländische Betriebe, die sich zur Ausbildung bereit erklärt haben, werden intensiv betreut. Durch den kontinuierlichen Kontakt können möglicher Weise auftretende Konflikte schnell gelöst und ein positives Ausbildungsklima geschaffen werden.

Ministerium für Wissenschaft,
Wirtschaft und Verkehr
des Landes Schleswig-Holstein

Übergabe des Zuwendungsbescheids für das „Ausbildung und Integration für Migranten“ (AIM)-Projekt

Anlässlich der Übergabe des Zuwendungsbescheids für das „Ausbildung und Integration für Migranten“ (AIM)-Projekt durch das schleswig-holsteinische Wirtschaftsministerium am 08.09.2006 bedankte sich der Landesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V., Herr Dr. Cebel Küçükkaraca, im Namen der Gemeinde und der Mitarbeiter für die großzügige Zusammenarbeit und die finanzielle Unterstützung seitens des Ministeriums, vertreten durch die Staatssekretärin Karin Wiedemann, und der Possehl-Stiftung Lübeck.

Als weitere Gäste durfte die TGS-H begrüßen:
Herr Yaldiz, Bildungsattaché – Türkisches Generalkonsulat Hamburg
Frau Bayram, Integrationsfachkraft – Jobcenter Kiel
Herr Kramer, Ratsherr – CDU-Ratsfraktion Kiel
Frau Schlahn / Herr Leopold – Wirtschaftsministerium Schleswig-Holstein
Frau Rodeck, Schulleiterin – Muhliusschule Kiel
Frau Witte, Lehrerin – Fridtjof Nansen-Schule Kiel
Herr Swane, Schulleiterin – Toni-Jensen-Schule Kiel
sowie
Schülerinnen und Schüler aus o.g. Schulen

Vor dem Hintergrund der OECD PISA-Studie und der Sonderauswertung zum Themengebiet Migration, in der festgestellt wurde, dass die Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in Deutschland nicht gelingt, betonte Dr. Küçükkaraca erneut die Wichtigkeit und Notwendigkeit des AIM-Projekts: „Ohne die gerechte Teilhabe von Migrantenkinder an Ausbildungsprozessen und ihrer anschließenden Eingliederung in das Wirtschaftsleben kann Integration nur schwer stattfinden“. AIM leistet hierzu an den Standorten Lübeck und Elmshorn einen großen Beitrag. Durch das Projekt werden Migrantinnen und Migranten über Ausbildungschancen und Bewerbungsprozeduren informiert. Die Jugendlichen werden beraten, damit sie die richtige Berufswahl treffen, um die optimale Verwirklichung einer Ausbildung sicherzustellen und beim Übergang ins Berufsleben. Die Jugendlichen werden dahingehend unterstützt, ihre Potentiale einzuschätzen und vorhandene Ressourcen zu nutzen.

Die TGS-H agiert als Vermittler zwischen Ämtern, Behörden, Betrieben, Lehrlingen und Eltern. Das Projekt leistet Hilfe zur Selbsthilfe. Die Zahl der betreuten Jugendlichen beläuft sich momentan auf 812. Parallel zur Jugendberatung werden aber auch Migrantenbetriebe angesprochen. Durch die Projektarbeit konnten bis jetzt landesweit 315 zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden. Dies geschieht aktuelle u.a. in enger Zusammenarbeit mit der Ausbildungsakquisateurin der IHK in Kiel, der IHK Lübeck und der HWK Lübeck.

Die Übergabe fand mit freundlicher Unterstützung durch Herrn Metin Hidir in den Räumlichkeiten des Jazz-Cafe, Am Germaniahafen 1, in Kiel statt.

Integrationsgipfel 2006

Am Vorabend des von der Bundeskanzlerin Merkel initiierten Integrationsgipfels sind die Erwartungen der TGS-H sowohl an die einladenden Verantwortlichen als auch an die eingeladenen Gäste hoch. Dieser Gipfel wird als Chance und als positives Signal begriffen, wobei man nüchtern erkennen muss, dass die angestauten Probleme von über 40 Jahre Migration nach Deutschland schwer in einem eintägigen Gipfel zu bewältigen sind. Die Verantwortung der Mitwirkenden wiegt daher umso höher, eine konstruktive und gezielte Basis für die weitere Gestaltung der Integrationsarbeit zu schaffen.

Die Menschen um die es geht – Migrantinnen und Migranten in der ersten, zweiten und dritten Generation –, sind ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft und hoffen auf eine Wendung zur Gleichstellungs- und Partizipationspolitik, in der die gemeinsame Verantwortung für das Gelingen des Projekts im Vordergrund stehen muss. Eine ausgewogene Balance zwischen Rechten und Pflichten sowie die volle Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen muss geschaffen und transparent dargestellt werden. Es sind bereits sehr viele interessierte, kompetente und erfahrene Organisationen und Einzelpersonen, die in den letzen Jahren durch viel Zeit und Eigeninitiative am gemeinsamen Zusammenleben mitgewirkt haben. Auf die positiven Erfahrungen und erworbenen Kompetenzen dieser muss gehört und weiter aufgebaut werden, um die noch bestehenden Probleme effektiv lösen zu können.

Wir wünschen einerseits, dass im offenen Dialog unter den vielen Beteiligten die aktuellen politischen, sozialen und rechtlichen Probleme der Migrantinnen und Migranten in Deutschland, wie sie in der Kurzkonzeption der Türkischen Gemeinde in Deutschland vorgelegt worden sind, nicht nur angesprochen werden, sondern dass ein Rahmen für die konkrete Ausarbeitung und Umsetzung der erarbeiteten Vorschläge geschaffen wird. Es geht vor allem darum, die Probleme konstruktiv und wirksam durch Partnerschaft zu bewältigen ohne zusätzliche, unnötige Barrieren aufzubauen. Hierfür sind sowohl feste, neue Strukturen als auch ein Umdenken im Umgang mit Integrationsproblemen von Nöten.

Es ist an der Zeit, Rahmenbedingungen für eine langfristige Integrationsarbeit zu erarbeiten und zugleich entbehrliche rechtliche, soziale und politische Hürden abzubauen mit dem Ziel, die gemeinsame Zukunft gerechter zu gestalten. Dieses Ziel ist nicht nur aufgrund der derzeitigen Problemlage zweckmäßig, sondern auch zukunftsorientiert. Der morgige Gipfel ist ein Schritt in die richtige Richtung, der durch viele weitere Schritte in den kommenden Monaten und Jahren ergänzt werden muss.

Dr. Cebel Kücükkaraca
Landesvorsitzender

AusbildungsNetzwerke für Migrant/innen in Schleswig – Holstein (ANMSH) “Netzwerkaufbau und Kooperation” lautet die Devise des neuen Projektes

Mit Unterstützung durch das Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr, sowie dem Ministerium für Justiz, Arbeit und Europa und dem Europäischem Sozialfond hat die TGS-H am 01.07.2006 das neue Projekt “AusbildungsNetzwerke für Migrant/innen in Schleswig-Holstein” (ANMSH) für Schüler/innen mit Migrationshintergrund in den Regionen Kiel, Neumünster, Lübeck und Bad Oldesloe begonnen. Dr. Cebel Kücükkaraca, Landesvorsitzender, erklärt: „Mit diesem Projekt soll durch Netzwerkaufbau eine Lücke in der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Schulen geschlossen werden“.

Das ANMSH – Projekt der TGS-H verfolgt dabei eine doppelte Zielsetzung. Einerseits verfolgt es das Ziel einer effektive Kooperation zwischen Wirtschaft und Schule aufzubauen und andererseits eine bisher in dieser Form noch nicht vorhandene Netzwerkarbeit für und mit Migrantenbetrieben, für Jugendliche mit Migrationshintergrund und weiteren Ausbildungsakteuren durchzuführen.

Entstanden ist die Idee u.a. aus der Gegebenheit einer angespannten Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation in Schleswig-Holstein, sowie einer inzwischen fast in allen Orten multikulturell zusammengesetzten Schülerschaft. Nach einer Statistik des Statistischen Bundesamtes sind im Bildungssystem Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund weiterhin benachteiligt. Viele von Ihnen verlassen die Schule ohne oder nur mit Hauptschulabschluss, wonach sie anschließend vor einem eingeschränkten Arbeits- und Ausbildungsmarkt stehen. Davon sind besonders Mädchen und junge Frauen mit Migrationshintergrund betroffen. Laut Dr. Kücükkaraca trägt das ANMSH – Projekt „zur beruflichen und sozialen Integration junger Migrant/innen bei, deren Perspektiven ansonsten sehr begrenzt sind“.

Gleichzeitig gründen ansässig gewordene Migranten neue Unternehmen in BRD in denen hohe Beschäftigungspotentiale stecken, welche erschlossen werden sollen. Parallel entstehen auch neue Anforderungen, die von den Schülern und Schülerinnen spezifische Qualifizierungen verlangen. Genau an dieser Ausgangslage setzt das ANMSH- Projekt an. Sein Ziel, zusätzliche Ausbildungsplätze und geeignete sonstige berufliche Qualifizierungsmaßnahmen entstehen zu lassen, will die TGS-H mit dem AMNSH – Projekt durch spezielle Kooperationsbeziehungen zwischen den Migrantenbetrieben, sowie weiteren am Arbeits- und Ausbildungsprozess beteiligten Institutionen und Organisationen erreichen.

So werden Maßnahmen für Schulen, Lehrer, Lehrerverbände, Eltern und Schüler/innen mit Migrationshintergrund ab der achten Klasse und ihre Eltern, für Migrantenbetriebe und weitere am Arbeits- und Ausbildungsprozess beteiligte Akteure angeboten. Die Zusammenarbeit mit Eltern und Lehrern stellt einen Schwerpunkt des ANMS-Projektes dar, durch die die Eltern mit dem deutschen Schul- und Ausbildungssystem vertraut gemacht werden sollen. Diverse Institutionen und Organisationen sollen ebenso in den Kooperationsprozess eingebunden werden.

Schüler und Schülerinnen können an den angebotenen Berufsorientierungsseminaren, Bewerbungs- und Computertrainings teilnehmen. Sie werden in Praktikums- und Ausbildungsplätze in Migrantenbetrieben vermittelt. Selbstverständlich stehen die Mitarbeiter der jeweiligen Region als Begleiter und Betreuer für die persönliche Anliegen, Wünsche und Bedürfnisse der Schüler und Schülerinnen zur Seite.

Für Migrantenbetriebe werden Arbeits- und Gesprächskreise eingerichtet. Auch werden Informationsveranstaltungen über aktuelle Rahmenbedingungen auf dem Ausbildungsmarkt, rechtliche Voraussetzungen für berufliche Ausbildung, sowie über das duale Ausbildungssystem angeboten. Vermittlung und Begleitung von Auszubildenden und Praktikant/innen in den Betrieben bilden einen weiteren Schwerpunkt des neuen Projekts.

Bildungschancen sind nicht gleich verteilt!

Es steht erneut schwarz auf weiß im neuen OECD Bericht, dass sich die Bildungschancen für Kinder aus sozialschwachen Familien und aus Familien mit Migrantenhintergrund wesentlich von deren Gleichaltriger unterscheiden – und zwar in deutlich negativer Richtung. Dieses Ergebnis ist ein Armutszeugnis für eine langjährige Bildungspolitik, die zu wenig Aufklärung, Unterstützung und Förderung dieser Schülergruppen und deren Familien geleistet hat. Die Studie soll wachrütteln anstatt eine neue Lawine von Schuldzuweisungen auszulösen. Es geht nicht darum, schuldige ausfindig zu machen, sondern neue kreative Strategien zu entwickeln und baldmöglichst umzusetzen, damit keine Kinder ohne Zukunftschancen in Deutschland aufwachsen müssen. „Die TGS-H hat seit ihrer Gründung auf die Bildungsprobleme von Migrantenkindern hingewiesen und durch ihre ehrenamtliche Projektarbeit stets dagegen gesteuert“, erklärte der Landesvorsitzender Dr. Cebel Küçükkaraca. „Alle am Bildungsprozess beteiligten Partner – Eltern, Kindergärten, Lehrer und deren Verbände, Schulen, Vereine, Hochschulen und Bildungspolitiker müssen sich für alle Kinder, aber insbesondere für die schwächere Kinder, die keine eigene Lobby haben, stark machen“, so Dr. Küçükkaraca.

Dies erfordert erstens Aufklärung, betonte Dr. Küçükkaraca. Eltern müssen über ihre Rechte aber auch über ihre Pflichten unterrichtet werden. Was muss ich tun, damit mein Kind in Deutschland die Schule erfolgreich besteht? Wie viel darf von den Lehrern und den Schulen erwartet werden und worauf muss ich als Mutter oder Vater achten? Wenn man als Elternteil die Schule in Deutschland nicht besucht hat, wirkt das Bildungssystem mit ihren Anforderungen wie ein Dschungel unbekannter Einrichtungen und Vorgänge. Schon die Hausaufgabenhilfe, wenn man der deutschen Begriffe für Schulmathematik und dergleichen nicht mächtig ist, ist eine unüberwindliche Hürde. Dieser allgemeinen Unwissenheit muss durch konkrete Maßnahmen entgegengewirkt werden, die als Ziel haben, alle betroffenen Familien wirklich zu erreichen.

Zweitens sind konkrete Fördermaßnahmen, die auch bindenden Charakter haben können, unumgänglich, sagte Dr. Küçükkaraca. Es ist unter vielen Bildungswissenschaftlern seit langem bekannt, dass die Deutschkenntnisse von Migrantenkindern bereits im Vorschulalter gefördert werden müssen, damit diese Kinder beim Schuleintritt nicht gleich zurückstehen. Diese Förderung ist im ganzen Schulverlauf fortzusetzen, denn es treten vor allem in den weiterführenden Schulen Probleme auf, wenn Migrantenkinder weitere Fremdsprachen erlernen und kompliziertere Aufgabenstellungen erarbeiten müssen. Die Aufnahme weiterer Fremdsprachen in die Lehrpläne, z. B. Türkisch, wäre auch ein großer Schritt für die Unterstützung von Kindern, die ein Sprachschatz hüten, ohne ihn im Schulverlauf für sich nutzen zu können. Dieser praktische, auch vom finanziellen Aufwand nicht so aufwendige Schritt – Migrantenkinder haben schon eine Sprachbasis, worauf man im schulischen Sprachunterricht aufbauen kann – wäre zudem ein Signal für alle Migranten, sich verstärkt um die eigene Integration und um die Integration ihrer Kindern zu kümmern. Auch müssen weitere interkulturelle Inhalte umgesetzt werden, damit vor allem die Kinder untereinander eine gemeinsame Zukunft aufbauen können. Kinder lernen am besten voneinander. Diese Forderungen sind das Mindestmaß an Anstrengungen, die unternommen werden müssen, um aus der „PISA-Misere“ herauskommen zu können.