27.10.2011
Am 25.10.2011 wurden die Leistungen der ersten „GastarbeiterInnen“ aus der Türkei bei einer Festveranstaltung gewürdigt. Die Veranstaltung fand im Plenarsaal des Landtages statt. Ein würdiger Ort für die größtenteils türkischstämmigen BesucherInnen, deren Leistungen und Erfolge an diesem Abend hervorgehoben wurden.
Landtagspräsident Torsten Geerdts sprach von einem Optimismus, dass Integration in diesem Land weiter vorangetrieben wird. Dazu sei aber ein anderer Blickwinkel nötig, der zeige, dass wir vor den gleichen Herausforderungen stünden und diese gemeinsam angehen müssten.
Der Landesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V., Herr Dr. Cebel Küçükkaraca, ging in seiner Rede auf die Bedeutung der Teilhabechancen für die Bevölkerung mit Migrationshintergrund ein. Die Partizipation ermögliche eine langfristige Einbindung aller in die Gesellschaft. Die ständige Sicht auf Probleme und Integrationsunwilligkeiten grenze die Menschen aus. Diese Ausgrenzung schade, aufgrund der ungenutzten Ressourcen, langfristig eher Deutschland. Denn eine Zukunft ohne Vielfalt sei nicht denkbar. Schließlich verwies er auf die beiderseitige Verantwortung. Integration setze gleichermaßen eine Bereitschaft und eine Anerkennung voraus. Bereitschaft müsse gefordert, Anerkennung vorgelebt werden.
Der Generalkonsul der Republik Türkei vom Hamburger Konsulat, Herr Devrim Öztürk, setzte mit seiner deutschen Rede ein Zeichen für die Integration. Mittlerweile seien auch Erfolgsgeschichten von Türkischstämmigen in Deutschland vorhanden. Deutschland habe einen Anteil an diesen Geschichten. Er bedankte sich für die Möglichkeiten, die den nationalen Minderheiten in Deutschland eingeräumt werden.
In seiner Rede stellte der Landesgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Schleswig-Holstein, Herr Michael Selck, die nun mehr 40 Jahre währende Migrationsarbeit der AWO vor. Vieles sei schon erreicht, aber immer noch würden Bereiche vernachlässigt werden. Herr Selck versuchte die Öffentlichkeit für diese Bereiche zu sensibilisieren, indem er Forderungen stellte, wie z.B. die Anerkennung der doppelten Staatsbürgerschaft für alle Nationalitäten und die Anerkennung der im Ausland erworbenen Bildungsabschlüsse.
Prof. Dr. Herrmann Heidrich von der Forschungsstelle Lebensgeschichtliches Archiv an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel stellte die Erkenntnisse der einjährigen Forschung mit dem wissenschaftlichen Verfahren „Oral History“ an Menschen mit türkischem Migrationshintergrund vor. Er sagte, dass sich die Einheimischen und die Zugezogenen noch zu wenig kennen. Die vorhandenen Unterschiede seien keine unterschiedlichen Kulturmodelle, sondern vielmehr unterschiedliche Familienmodelle. Er forderte das Ende der Ausgrenzungen und teilte mit, dass kein Weg an der Vielfalt vorbei führe. Zum Abschluss wünschte er allen Beteiligten mehr Empathie, Anerkennung, Respekt, Geduld und Gelassenheit.
Frau Gülüfer Karakaş, Frau Gülistan Yavuzoğlu, Frau Ayten Treuschel, Herr Orhan Aldemir und Herr Hans-Ulrich Stangen waren die Zeitzeugen, die an dem Abend den Gästen vorgestellt wurden. Sie schilderten, wie sie nach Deutschland gekommen sind, wo sie gearbeitet haben, mit welchen widrigen Umständen sie zu kämpfen hatten, wo sie sich ehrenamtlich engagierten, wie sie sich in Gewerkschaften organisierten und schließlich mit der Zeit Teil der Gesellschaft wurden.
Nach einer umjubelten musikalischen Einlage von der Band „Murat & Friends“ wurden Preise für besondere Integrationsdienste vergeben.
Der Minister für Justiz, Gleichstellung und Integration, Herr Emil Schmalfuß, und der Vorstandsvorsitzende der Investitionsbank, Herr Erk Westermann-Lammers, verliehen insgesamt 16 Preise.
Den mit 2.500 € dotierten Integrationspreis für „Hauptamtliche“ hat die „Waldschule Flensburg“ gewonnen. Den mit ebenfalls 2.500 € dotierten Integrationspreis für „Ehrenamtliche“ erhielt der „Ambassador Club Concordia Lübeck“.
Darüber hinaus zeichnete der Integrationsminister noch weitere fünf hauptamtliche und fünf ehrenamtliche Integrationsprojekte und Unternehmen mit Urkunden aus.
Die Preisträger bei den Hauptamtlichen sind namentlich:
Die Hansestadt Lübeck für einen Gesundheits-Atlas, das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland für das Projekt „Diverse City Eutin“, die Landeshauptstadt Kiel für das Projekt „Regionales Übergangsmanagement“, die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein für 15 Jahre Integrationsarbeit, der Kinderschutzbund Ostholstein für erfolgreiche Flüchtlingsarbeit.
Die Preisträger bei den Ehrenamtlichen sind namentlich:
Die Kreishochschule Plön für das „Sprachpatenprojekt“, Herr Hamed Chaudry für den Film „Ankerwurf in Deutschland“, Herr Tahir Chaudry für die monatliche Sendung im OK Flensburg „Brennpunkt Islam“, lifeline e.V. für die erfolgreiche Flüchtlingsarbeit im Bereich der Vormundschaft, die Bürgerstiftung Ratzeburg für schulübergreifende Projektwochen in Ratzeburg.
Herr Erk Westermann-Lammers vergab als Vorsitzender des Vorstandes der Investitionsbank einen Sonderpreis. Die Gesellschaft Franke Heimbau erhielt für ihr Projekt “Gustav-Schatz-Hof” den Geldpreis. Drei weitere Unternehmen wurden für Integrationsprojekte mit Urkunden honoriert.
Im Anschluss konnten die rund 400 BesucherInnen bei einem Büfett vom Restaurant Mega Saray stärken.
Die Festveranstaltung war gleichzeitig die Eröffnung der Ausstellung „Ein halbes Jahrhundert in Kiel“, die aus drei Teilen besteht.
Ein Teil der Ausstellung wurde von Ender Çatalbaş im Auftrag der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V. erstellt. Ausgewählte Bilder erzählen die Geschichte der ersten GastarbeiterInnen, die ihre Heimat verlassen haben, um in dem Land zwischen den Meeren ein neues Zuhause zu finden.
Ein weiterer Teil dieser Galerie ist die Ausstellung “Die ersten Türken von Neumünster”, die vom Kreisvorsitzenden der Türkischen Gemeinde Neumünster, Herrn Tufan Kıroğlu, geschaffen wurde. Herr Kıroğlu hat die Lebensgeschichte von 12 NeumünsteranerInnen, die aus der Türkei stammen, auf Roll-Ups zusammengestellt. “Die ersten Türken von Neumünster” ist auch in Buchform erschienen.
Der dritte Teil der Ausstellung ist eine begehbare Medieninstallation, die der Kieler Künstler Tamer Serbay geschaffen hat. Am Beispiel einer Frau, die 1969 aus Anatolien nach Schleswig-Holstein kam, zeichnet er den Lebensweg schleswig-holsteinischer “GastarbeiterInnen” nach.
Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V., Diedrichstraße 2, 24143 Kiel,
Tel.: 0431/ 76 114/15 oder Tel.: 0431/ 364 1722/23
E-Mail: info@tgs-h.de
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
25.10.2011
Beginn der Präsentationen zum Anwerbeabkommen.
Am 31. Oktober 1961 wurde das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei geschlossen. Rund 750.000 TürkInnen kamen zwischen 1961 und 1973 im Zuge dieses Abkommens nach Deutschland.
Mit dieser Festveranstaltung wollen wir dieser Generation dafür Dank sagen, dass sie sich mit ihrem Fleiß und ihrer Kraft für unser Land eingesetzt und Schleswig-Holstein mit stark gemacht haben.
Die Veranstaltung wird begleitet von einer Ausstellung mit dem Namen “Ein halbes Jahrhundert in Kiel”, die aus drei Teilen besteht.
Ein Teil der Ausstellung wurde von Ender Çatalbaş im Auftrag der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V. erstellt. Ausgewählte Bilder erzählen die Geschichte der ersten GastarbeiterInnen, die ihre Heimat verlassen haben, um in dem Land zwischen den Meeren ein neues Zuhause zu finden.
Ein weiterer Teil dieser Galerie ist die Ausstellung “Die ersten Türken von Neumünster”, die vom Kreisvorsitzenden der Türkischen Gemeinde Neumünster, Herrn Tufan Kıroğlu, geschaffen wurde. Herr Kıroğlu hat die Lebensgeschichte von 12 NeumünsteranerInnen, die aus der Türkei stammen, auf Roll-Ups zusammengestellt. “Die ersten Türken von Neumünster” ist auch in Buchform erschienen.
Der dritte Teil der Ausstellung ist eine begehbare Medieninstallation, die der Kieler Künstler Tamer Serbay geschaffen hat. Am Beispiel einer Frau, die 1969 aus Anatolien nach Schleswig-Holstein kam, zeichnet er den Lebensweg schleswig-holsteinischer “GastarbeiterInnen” nach.
Die Ausstellung läuft vom 25. Oktober bis zum 5. November 2011 und kann täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. Ein gültiger Personalausweis ist mitzubringen.
Die Ausstellung ist der Beginn einer Informationsreihe, die von der Türkischen Gemeinde in Schleswig.Holstein e.V. gemeinsam mit dem Landesverband der Arbeiterwohlfahrt Schleswig-Holstein e.V. durchgeführt wird.
22.10.2011
Die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V. verurteilt die äußerst brutalen und menschenunwürdigen Terrorangriffe vom 19. Oktober 2011 aufs Schärfste und betrauert gemeinsam die Toten, die in Folge dieser Angriffe ihr Leben verloren haben. Unser Beileid gilt den Familien und Angehörigen der getöteten Menschen.
Der Schmerz, den nicht nur die Familien und Angehörigen, sondern eine gesamte Nation und sein Volk zu erleiden hat, ist zu groß, als dass man ihn in Worte fassen könnte.
Die Angriffe unterwandern jegliche menschlichen und moralischen Werte und sind ein Rückschlag für den bisher erlangten demokratischen Frieden in der gesamten Region. Unter Zugrundelegung der vorangetriebenen verfassungsrechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Fortschritte können die Angriffe nur als eine Blockade und Verweigerung dieser Fortschritte für die gesamte Bevölkerung gewertet werden. Der Terror ist und bleibt kein politisches Mittel, mit dem Demokratie und Menschlichkeit erreicht werden können.
Wir möchten daher an die gesamten Bevölkerung, auch die im Ausland lebenden Mitbürgerinnen und Mitbürgern egal welcher Ethnizität, appellieren Ruhe zu bewahren, Provokationen nicht zu unterliegen und gemeinsam für den Frieden einzutreten.