Pressemitteilung der Türkischen Gemeinde in S-H über den unterschriebenen Koalitionsvertrag zwischen der CDU und Bündnis 90/Die Grünen

Am 28. Juni haben CDU und Bündnis 90/Die Grünen den gemeinsamen Koalitionsvertrag unterschrieben und damit die Landesregierung in Schleswig-Holstein der nächsten fünf Jahre besiegelt.

Für die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V. (TGS-H) liegt dabei besonderes Augenmerk auf einem Satz, der gleich mehrmals im Koalitionsvertrag der neuen Regierung auftaucht: Die Vielfalt in unserem Land sehen wir als Stärke.

Herr Dr. Cebel Küçükkaraca, Landesvorsitzender der TGS-H, betont: „Als Vorstandsvorsitzender einer Selbstmigrant*innenorganisation, die sich seit nunmehr 27 Jahren für die Belange und Rechte von Menschen mit Migrationsgeschichte einsetzt, erhoffen wir uns von der neuen Regierung, dass sie diesen Satz mit wirkungsvollen Taten füllt. Die gesellschaftliche Vielfalt bereichert unser Land seit jeher. Dennoch haben längst nicht alle Menschen im Land dieselben Teilhabemöglichkeiten und noch viel zu viele werden aufgrund ihrer Herkunft oder einer vermeintlichen Religion diskriminiert.“

Mit seiner neuen Regierung geht Daniel Günther – ehemaliger und wiedergewählter schleswig-holsteinischer Ministerpräsident – einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Sichtbarkeit und eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind gerade für Menschen mit Migrationsgeschichte sowie Minderheiten essentiell. Aminata Touré als Ministerin für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung und Claus Ruhe Madsen als Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus einzusetzen, sind dabei wichtige Signale. Denn es ist nicht nur Aufgabe der Politik, sich für alle gesellschaftlichen Belange einzusetzen. Die Politik sollte die gesellschaftlichen Verhältnisse abbilden. Gerade mit Blick in andere Bundesländer, fühlen sich viele Menschen in Schleswig-Holstein nun von der ersten Schwarzen Frau auf einem Ministerinnenposten sowie einem Dänen repräsentiert.

„Wir haben große Erwartungen an die neue Regierung und ich freue mich auf fünf Jahre der Zusammenarbeit, in denen wir gemeinsam die Vielfalt unseres Landes als Stärke nutzen möchten. Es gibt viel zu tun“, so Herr Dr. Küçükkaraca.

60 Jahre Anwerbeabkommen Deutschland Türkei

KIEL. Auf Einladung der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V. fand heute im Plenarsaal des Schleswig-Holsteinischen Landtags eine Festveranstaltung zum im Jahre 1961 geschlossenen Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Türkei statt.

In seiner Begrüßung stellte der Landesvorsitzende der Türkischen Gemeinde, Dr. Cebel Kücükkaraca, fest: „Damals haben weder Deutschland noch die Gastarbeiter damit gerechnet, dass so viele bleiben würden. Doch das, was man mitaufgebaut, wo man Freunde gefunden und Familien gegründet hat, lässt man bekanntlich nicht gerne los. So sind aus Gästen über die Jahre Schleswig-Holsteiner geworden, die stolz sind, anerkannter Teil dieser Gesellschaft zu sein und Schleswig-Holstein ihre Heimat zu nennen“.

Ministerpräsident Daniel Günther mahnte in seinem Grußwort eine Würdigung der Verdienste der so genannten „Gastarbeiter“ an: „Aus diesem Kapitel der Geschichte Deutschlands und Schleswig-Holsteins wollen und müssen wir mehr erzählen. Sie haben mit angepackt, gearbeitet, geschuftet und damit Landesgeschichte geschrieben. Dafür danke ich Ihnen im Namen der Landesregierung sehr. “

Dem Dank, stellvertretend für die Abgeordneten des Schleswig-Holsteinischen Landtages, schloss sich dessen Vizepräsidentin Kirsten Eickhoff-Weber an: „Ohne die Menschen der ersten, aber auch der zweiten und dritten Generation türkischstämmiger Bürgerinnen und Bürger wäre unser Land wirtschaftlich nicht so erfolgreich, kulturell nicht so vielfältig und vor allem nicht so lebenswert, wie es ist. Ihnen gebührt unser Dank – und ich denke dabei auch an die Menschen, die mittlerweile verstorben sind und denen zu Lebzeiten die Anerkennung und Würdigung ihrer Lebensleistungen in Schleswig-Holstein versagt geblieben ist.“

Nach weiteren Grußworten der Generalkonsulin der Republik Türkei, Yonca Sunel, und des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt, Dr. Ulf Kämpfer, wendeten sich in Festvorträgen Minister Dr. Bernd Klaus Buchholz (MWVATT) und Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan (Uni Duisburg-Essen) an die zahlreichen Gäste.
Zum Abschluss der Veranstaltung knüpfte eine Gesprächsrunde zum Thema „Vom Gastarbeiter zum Facharbeiter“ an die Vorträge an. Danach wurden die Gäste zu einem Empfang gebeten, auf dem sie bei türkischen Speisen ins Gespräch kamen und die ausgestellten Exponate vor Ort besichtigen konnten.

Weitere Details finden Sie auf der Homepage des Landes zum Anwerbeabkommen unter https://www.schleswig-holstein.de/DE/Kampagne/GastarbeiterSH/Start/start_node.html , in der Medieninformation der Landesregierung zur Veranstaltung unter https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/I/Presse/PI/2021/MP/211026_MP_Anwerbeabkommen.html sowie in der Mitteilung des Landtages zur Veranstaltung unter www.landtag.ltsh.de/nachrichten/21_10_26_feierstunde_tuerkische_gemeinde/

Aufruf zu den Bundestagswahlen am 26. September 2021

Mit den am 26. September 2021 stattfindenden Bundestagswahlen wird der deutsche Bundestag neu gewählt.

Wahlberechtigte können am Sonntag zwischen 08:00 und 18:00 Uhr in den für sie zuständigen Wahllokalen ihre Stimme abgeben.

Wir rufen wahlberechtigte Menschen mit Migrationshintergrund auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.
Die Wählerinnen und Wähler bestimmen mit ihren Stimmen, welche politischen Parteien und welche Politiker in den kommenden fünf Jahren sich für ihre Belange in ihren Gemeinden und Kreisen einsetzen werden.

Für die Stärkung der Demokratie ist es wichtig, dass Bürgerinnen und Bürger einerseits wählen gehen und aktiv an der Politik teilnehmen. Andererseits können Sie der Gesellschaft, in der Sie leben, nur so mitteilen, dass Sie Teil dieser Gesellschaft sind. Nicht zu wählen bedeutet gleichzeitig, rechtsorientierten Parteien und antidemokratischen Tendenzen mehr Macht zu verleihen.

Die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V. ruft daher alle wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Gehen Sie am Sonntag zur Wahlurne, zeigen Sie Zivilcourage gegenüber populistischen Tendenzen und stärken Sie mit Ihrer Stimme unsere Demokratie!

Mit Ihrer Stimme stellen Sie die Weichen für die nächsten vier Jahre in Deutschland und entscheiden über die Zukunft unseres Landes.

Wir wünschen uns allen eine friedliche und rege Teilnahme an den Bundestagswahlen 2021.

Internationale Tag gegen Rassismus 2021

Der 21. März ist der Internationale Tag gegen Rassismus. Auch im Jahr 2021 macht die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V. (TGS-H) auf diesen Tag aufmerksam. „Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftlicher Zusammenhalt besonders wichtig wäre, um gemeinsam die Corona-Pandemie zu überwinden, müssen wir feststellen, dass sich das gesellschaftliche Klima deutlich verschlechtert hat. In Krisenzeiten, in denen viele bedeutsame Ressourcen begrenzt sind, zeigt sich die soziale Macht von Verteilungskonflikten besonders deutlich und wir müssen in vielen Debatten zu unserem Verdruss leider auch Rassismus sowie weitere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit erkennen“, zeigt sich Dr. Cebel Küçükkaraca, Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein, besorgt.

Auch in ihrer täglichen Arbeit erlebt die TGS-H eine Zunahme offene Anfeindungen gegen Menschen mit Migrationshintergrund. Neben bekannte Formen des Alltagsrassismus, von denen sehr viele Menschen seit jeher betroffen sind, treten im öffentlichen Diskurs rund um die Corona-Pandemie neuerdings neue rassistische Denkstrukturen auf. So werden völlig undifferenziert und ohne einen Blick für gesellschaftliche Realitäten z.B. hohe Infektionszahlen in einen nicht vorhandenen Kausalzusammenhang mit dem Vorhandensein eines Migrationshintergrundes gesetzt. Hierbei zeigt sich erneut, wie rassistische Stereotype von einer umfassenden Betrachtung vielfältiger gesellschaftlicher Herausforderungen abzulenken vermögen.

„Sehr viele Mitmenschen, die unter prekären Umständen privat leben wie beruflich arbeiten müssen, sind ungleich höheren Risiken dauerhaft ausgesetzt als diejenigen, die unter viel privilegierteren Umständen leben und so wesentlich geeignetere Maßnahmen ergreifen können, um sich und Dritte vor dem Virus effektiv zu schützen. Hier ist die soziale Schichtzugehörigkeit der Betroffenen viel relevanter, als die jeweilige Herkunft der Personen, die lediglich vorgeschoben wird, um rassistische Vorurteile, die weiterhin in unserer Gesellschaft existieren, zu bedienen und sich zugleich nicht mit dauerhaften Problemen, die auch ohne die Pandemie existieren, ernsthaft und lösungsorientiert auseinandersetzen zu müssen“, führt der Landesvorsitzende der TGS-H weiter aus.

Kiel – Die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein gedenkt der Opfer des Brandanschlags in Mölln

Am 23. November 2019 jähren sich die rassistischen Brandanschläge von Mölln zum 27. Mal. Im Jahre 1992 hatten zwei Neonazis das Haus der Familie Arslan in Brand gesetzt und dabei die 51-jährige Bahide Arslan, die 10-jährige Yeliz Arslan sowie die 14-jährige Ayşe Yılmaz ermordet. Die Stadt Mölln gedenkt seit 1992 jedes Jahr der Opfer des rassistischen Brandanschlags.

Dr. Cebel Küçükkaraca, Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein (TGS-H) gab dazu im Vorfeld an: „Wir sind traurig, dass eine kleine Stadt wie Mölln zu einem großen Symbol für Rassismus geworden ist. Der Brandanschlag vor 27 Jahren hat nicht nur die Menschen in Mölln und Schleswig-Holstein sondern ganz Deutschland erschüttert. 27 Jahre sind eigentlich eine lange Zeit. Aber die Leere in der Familie und der Schmerz bleiben ewig. Deswegen ist es auch unsere Aufgabe, nicht nur unser tiefempfundenes Beileid auszusprechen, sondern ständig und für immer mit der Familie mitzufühlen.“

Mit dem Anschlag von Mölln erreichte die Gewalt gegen Minderheiten in Deutschland eine dramatische neue Stufe: Es war der erste rassistisch motivierte Anschlag im wiedervereinigten Deutschland, bei dem Menschen starben.

Herr Dr. Küçükkaraca hielt weiter fest:„ Dieser Anschlag war gleichzeitig auch ein Angriff auf uns alle und unsere Gesellschaft. Unsere Aufgabe kann heute wie jedes Jahr nur darin bestehen, auf diese unmenschliche Tat mit menschlicher Größe zu antworten, nicht zu vergessen und uns für ein menschenwürdiges Zusammenleben einzusetzen. In einer Zeit, in der in unserem Land Menschen täglich angefeindet und angegriffen werden, weil sie Asylbewerber und Asylbewerberinnen oder Flüchtlinge sind, können und dürfen wir nicht wegschauen. Ein Angriff auf eine einzelne Person, die in Deutschland Schutz sucht, ist auch ein Angriff auf Deutschland, auf unseren Rechtsstaat und auf uns alle. Daher müssen wir uns ganz besonders schützend vor die Menschen stellen, die Ziel von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus sind.“

Die TGS-H wird an dem gemeinsamen Gedenken am Samstag teilnehmen. Nach dem Mevlut in der Fatih Sultan Moschee und dem gemeinsamen interreligiösen Gottesdienst in der St. Nicolai-Kirche findet ein gemeinsamer Gang zum Brandhaus in der Mühlenstraße 9 und zum ehemaligen Brandhaus in der Ratzeburger Straße statt, begleitet von Kranzniederlegungen, Gedenken und Redebeiträgen. Darüber hinaus wird die TGS-H an der Gedenkveranstaltung in Kiel-Gaarden mit Abschluss auf dem Bahide-Arslan-Platz teilnehmen.

Übergabe der neuen Förderbescheide für die Ausbildungsprojekte AIM und AIM-öD

Am heutigen Mittwoch überreichte der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft,Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein Dr. Thilo Rohlfs die neuen Förderbescheide für das langjährige AIMProjekt
sowie für das seit einem Jahr bestehende Erweiterungsprojekt AIM-öDan den Landesvorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein (TGS-H), Dr. Cebel Küçükkaraca.

Nach über 20 Jahren erfolgreichen Bestehens blickt die TGS-H mit ihrem Projekt „Ausbildung und Integration von jungen Migrantinnen und Migranten“ (AIM) auf eine weitere Förderperiode. Junge Menschen werden mit diesem Projekte auf dem Weg in eine Ausbildung unterstützt und begleitet. Des Weiteren geht es insbesondere darum, die Anzahl von Lehrstellen in Migrantenbetrieben durch Betreuung und Beratung zu erhöhen. „Unser besonderer Dank gilt vor allem dem Arbeitsministerium des Landes Schleswig-Holstein, das seit Projektbeginn die soziale und berufliche Integration
vieler jugendlicher Migrantinnen und Migranten in Schleswig-Holstein ermöglicht. Durch diese Förderung und das Engagement der Mitarbeitenden in den Projektbüros in Lübeck, Elmshorn, Kiel sowie Neumünster konnten schon über
3800 Jugendliche beraten und gecoached werden“, betonte der Landesvorsitzende stolz. „Dieses Projekt hat von Beginn an große Resonanz erhalten und wir möchten weiterhin eine Anlaufstelle für Jugendliche sein, um so sicherstellen zu
können, dass keiner auf der Strecke bleibt.“

Auf großen Zuspruch stieß zudem das Erweiterungsprojekt AIM-öD, das ebenso für zwei weitere Jahre gefördert wird. Mit dieser Erweiterung möchte die TGS-H die interkulturelle Öffnung der öffentlichen Behörden in Schleswig-Holstein anstoßen und die Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber mit Migrationshintergrund erhöhen. Herr Dr. Rohlfs und Herr Dr. Küçükkaraca stimmten in der Aussage überein, dass der öffentliche Dienst Spiegel unserer Gesellschaft sein sollte.