Einführung des herkunftssprachlichen Unterrichts in Regelschulen

Die Entscheidung der Landesregierung, den seit Jahrzehnten geforderten herkunftssprachlichen Unterricht in den Regelschulen sukzessiv zu etablieren, ist ein großer Schritt, der die Integration vieler Menschen in Schleswig-Holstein weiter fördern wird. Die Türkische Gemeinde freut sich daher sehr, dass in diesem Zuge auch entsprechende Kapazitäten zur Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer aufgebaut werden sollen.

In diesem Zusammenhang sollte ebenfalls betont werden, dass die Förderung von Herkunftssprachen eine Ergänzung der Förderung der deutschen Sprache darstellt und nicht auf Kosten dessen gehen darf. Natürlich ist Deutsch auf einem muttersprachlichen Niveau von Bedeutung, um sich als vollwertiges Mitglied in unsere Gesellschaft einbringen zu können und Erfolg im Beruf zu haben. Doch auch die Bedeutung, die von der Anerkennung von Herkunftssprachen ausgeht, ist beim Erwerb der deutschen Sprache eine wichtige Weiche, die bisher zu häufig vernachlässigt wurde. Nur wer sich auf dieser emotionalen Ebene voll akzeptiert fühlt, wird sich bereitwillig auf Neues einlassen.

Neben der Möglichkeit, dass viele Kinder durch dieses neue Unterrichtsformat zum ersten Mal eine echte gesellschaftliche Wertschätzung ihrer vielschichtigen Identität spüren werden, stimmt auch die Aussicht besonders hoffnungsvoll, dass viele Schülerinnen und Schüler realisieren werden, die Frage nach der eigenen Identität nicht mit einem „Entweder-oder-“ beantworten zu müssen. „Wer schon in der Schule solche Anerkennung spürt, wird sich guten Gewissens für Deutschland als Heimat entscheiden können“, sagte der Landesvorsitzende Dr. Cebel Küçükkaraca.

Vielfalt statt Einfalt in den Schulen ist eine Botschaft, die bei jungen Menschen generell gut ankommt und eine von vielen wichtigen Erfahrungen, die diese gegenüber intoleranten Einstellungen unempfänglich werden lassen. Das ist auch politisch von unschätzbarem Wert für die Zukunft.

Zum 26. Jahrestag des Brandanschlags in Solingen

Es sind bereits 26 Jahre seit dem 29. Mai vergangen, an dem durch einen rechtsextremistischen Brandanschlag fünf Frauen und Kinder in Solingen ermordetet wurden. Die Anschläge in Mölln, Rostock und Solingen motivierte damals die Gründung der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein. Ziel war es, gegen diese Welle der Gewalt ein Zeichen zu setzen und gemeinsam Lösungen für die Zukunft zu entwickeln. Vor allem hofften sie, dass durch langjährige Integrationsarbeit Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt gegen Einwander_innen und ihre Nachkommen der Nährboden entzogen werden könnte. Die unzähligen Erfolgsgeschichten ihrer Arbeit trösten allerdings nicht über die Tatsache hinweg, dass auch heute noch rassistische und rechtspopulistische Gruppen und Meinungen Zulauf erfahren.

Dr. Cebel Küçükkaraca, Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein (TGS-H), verbrachte den Trauer- und Gedenktag im Kreise der Hinterbliebenen in Solingen. „Dass die Hinterbliebenen Deutschland nicht mit Hass betrachten, sondern trotz dieses Schicksalsschlag gelernt haben, diese Gesellschaft zu lieben und sich für ein versöhnliches, solidarisches und demokratisches Deutschland so einzusetzen, stimmt mich trotz der vielen Schwierigkeiten, an denen es noch zu arbeiten gilt, sehr positiv“, so Dr. Küçükkaraca.

Rassismus auf unterschiedlichen Ebenen den Menschen bewusster zu machen, bleibt weiterhin eine zentrale Aufgabe bei der Gestaltung einer besseren Zukunft Deutschlands und Europas.

Wahlaufruf der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein zur Europawahl am 26. Mai 2019

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

die EU ist ohne Migration nicht zu denken. Deswegen ist die Freizügigkeit ein Grundpfeiler der EU. Dennoch wird das Thema Migration manchmal so behandelt, als wäre es eine Ausnahme.
Tatsächlich ist Migration in der EU aber der Normalfall und gelebte Wirklichkeit. Menschen mit Migrations-hintergrund sind Teil der europäischen Gesellschaft und Wirtschaft. Sie tragen maßgeblich zum Erfolg der EU bei, die ihre Kraft auch aus der Vielfältigkeit ihrer Bewohnerinnen und Bewohner zieht. Damit diese Vielfältigkeit im Europäischen Parlament widergespiegelt wird, sollten sich Menschen mit Migrationshinter-grund stärker an den demokratischen Prozessen der EU beteiligen und beteiligen können.
Die Europawahl ist eine wichtige Gelegenheit, um die europäische Politik und die Zukunft mitzugestalten. Die Demokratie lebt davon, dass möglichst jede/r wählen geht. Deshalb ruft die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein Sie dazu auf, am 26. Mai zur Europawahl zu gehen und eine europafreundliche Partei zu wählen.

Ihr Dr. Cebel Küçükkaraca
Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

am 26. Mai 2019 sind alle EU-Bürgerinnen und EU-Bürger dazu aufgerufen, das Europäische Parlament zu wählen. Die Europäische Union steht für seit 70 Jahren für ein Leben in Freiheit, Frieden, Demokratie und Wohlstand. Kulturelle und religiöse Vielfalt waren von Beginn an einer der wichtigsten Bausteine Europas, eine Vielfalt, die Europa ausmacht und die Europa stark macht. Unsere wirtschaftliche Stärke haben viele Menschen mit erarbeitet, die aus anderen Ländern in die Europäische Union gekommen sind und hier ihre neue Heimat gefunden haben. Wohlstand und Frieden für über 500 Millionen EU-Bürgerinnen und EU-Bürger – das haben wir Europäerinnen und Europäer gemeinsam erreicht. Lassen wir uns diese Errungenschaften nicht nehmen und stehen wir gemeinsam dafür ein, dass Europa noch stärker zusammenwächst und wir Europäerinnen und Europäer noch stärker zusammenhalten. Deshalb gehen Sie bitte zur Europawahl, nutzen Sie Ihre Stimme für Europa!
Ihr Klaus Schlie, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Landtages

Berufsorientierungscamp: Jugendliche Migrantinnen und Migranten für eine Ausbildung im öffentlichen Dienst stärken

Zum zweiten Mal nun wurde das Berufsorientierungscamp von der Türkischen Gemeinde in S-H durchgeführt. Die TGS-H möchte damit jugendliche Migrantinnen und Migranten für eine Ausbildung oder ein Studium im öffentlichen Dienst stärken.

Das diesjährige Berufsorientierungscamp mit dem Thema „Deine Karriere im Öffentlichen Dienst“ fand vom 10.04.2019 – 13.04.2019 in der Jugendherberge Bad Malente statt. Teilgenommen haben 18 Jugendliche mit verschiedenen Migrationshintergründen. Wie auch schon im Jahr 2017, sind über 20 Referentinnen und Referenten des Landes S-H, der Landeshauptstadt Kiel, der Bundeswehr sowie der Bundesagentur für Arbeit angereist und sorgten für einen vielfältigen und abwechslungsreichen Programmablauf. Hintergrund dieser Veranstaltung ist, dass der Anteil der Menschen, die im öffentlichen Dienst tätig sind und einen Migrationshintergrund haben, sehr gering ist.

Das Ziel des Berufsorientierungscamps ist es somit, junge Migrantinnen und Migranten für eine Ausbildung oder ein Studium im öffentlichen Dienst zu motivieren. Dabei erhalten die Jugendlichen die Möglichkeit sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln, eigene Kompetenzen zu stärken und mit Akteurinnen und Akteuren des öffentlichen Dienstes in den Kontakt zu kommen, um auf diese Weise auf die vielfältigen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten aufmerksam zu werden.

Das viertägige Berufsorientierungscamp wurde durch Vorträge der Landesverwaltung S-H, dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur in S-H, der Landespolizei S-H, dem Landesamt für Vermessung und Geoinformation, dem Bildungszentrum der Steuerverwaltung, dem Oberlandesgericht S-H, der Bundesagentur für Arbeit in Kiel, der Bundeswehr und der Landeshauptstadt Kiel begleitet. Einen besonderen Einblick in die Ausbildungsberufe konnten die Auszubildenden bieten. Diese haben die Vorträge der Referentinnen und Referenten durch ihre persönlichen Erfahrungen im alltäglichen Azubileben unterstützt.
Durch täglich stattfindende Lernwerkstätten, wie z.B. Übungen zum Assessment-Center (Einstellungstest, Vorstellungsgespräch und Gruppendiskussion) wurden zum einen die Kompetenzen der Jugendlichen gestärkt und zum anderen konnten sie an ihren Lebensläufen und Anschreiben arbeiten. Neben der fachlichen Stärkung der Jugendlichen fand eine ebenso bedeutende Stärkung der persönlichen Kompetenzen statt. Durch erlebnispädagogische Aktivitäten im Hochseilgarten Malente, arbeiteten die Jugendlichen gemeinsam an Team-Building-Prozessen, an der Stärkung des Verantwortungsbewusstseins sowie am Durchhaltevermögen. Das Gefühl gemeinsam erfolgreich zu sein, sich gegenseitig zu unterstützen und Verantwortung für sich und seine Kletterpartner*innen zu übernehmen stärkt dabei besonders den Teamgeist und das Verantwortungsbewusstsein einzelner. Damit die Jugendlichen auch nachhaltig unterstützt werden, sollen diese über das Berufsorientierungscamp hinaus von Mitarbeitenden der TGS-H betreut und beraten werden.

20-jähriges Jubiläum des AIM- Projektes

Dieses Jahr feiert die Türkische Gemeinde in S-H e.V. das 20-jährige Bestehen des AIM-Projektes. Dieser feierliche Anlass wurde genutzt, um gemeinsam mit dem Landesvorsitzenden der TGS-H, Herrn Cebel Küçükkaraca, dem Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein Dr. Bernd Buchholz, dem Geschäftsführer für Recht und Berufsbildung der Handwerkskammer Lübeck Christian Maack, dem Geschäftsbrereichsleiter Aus- und Weiterbildung der IHK zu Lübeck, Dr. Ulrich Hoffmeister, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Lübeck Markus Dusch, dem Vorstandsmitglied des Türkischer Arbeitgeber Bund Lübeck Murat Güler und vielen weiteren wichtigen Akteuren des Projektes, bei einem gemütlichen abendlichen Buffet, den Erfolg des Projektes zu würdigen.

Gemeinsam mit den Gästen der Jubiläumsfeier blickte die Türkische Gemeinde in S-H auf die erfolgreichen letzten 20 Jahre des AIM-Projektes zurück. Heute stellt AIM ein landesweites Projekt dar und konnte schon über 4000 Jugendliche beraten und vielen von ihnen erfolgreich in eine Ausbildung verhelfen. Das AIM-Projekt richtet seine Unterstützungs- und Leistungsangebote gezielt auf die Bedürfnisse von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und bietet in ihren Projektbüros Anlaufstellen, in denen junge Menschen Rat und Unterstützung in allen Fragen rund um die Ausbildung finden. Des Weiteren werden besonders auch Migrantengetriebe beraten, damit diese sich zu einem Ausbildungsbetrieb entwickeln und ebenfalls jungen Migranten_innen in ein erfolgreiches Berufsleben verhelfen können.

Der Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein Dr. Bernd Buchholz sprach an diesem Abend seine herzlichsten Glückwünsche aus und betonte: „Nur mit Fleiß, Geduld, Kreativität und Einfühlungsvermögen gelingt es, Menschen, die besonders schwierige Startbedingungen haben nachhaltig zu helfen. Das AIM-Projekt Projekt hat sehr vielen Menschen geholfen und der Gesellschaft einen großen Dienst erwiesen. Für die geleistete Arbeit spreche ich von der gesamten Landesregierung mein herzliches Dankeschön aus. Meine Gratulation zu 20 Jahren AIM Projektarbeit schließt den Wunsch ein, in 20 Jahren auch das 40. Jubiläum zu feiern und dann natürlich vortragen, dass möglichst jeder in diesem Land eine ordentliche Funktion hat.

Der Landesvorsitzenden der TGS-H Dr. Cebel Küçükkaraca bedankte sich am Mittwochabend bei allen langjährigen Kooperationspartnern, die schon seit vielen Jahren in die Arbeit der Türkischen Gemeinde in S-H vertrauen und das AIM-Projekt in vielfältiger Weise unterstützt haben. Er betonte dabei auch, dass „ohne die Arbeit von AIM viele Jugendliche auf der Strecke geblieben und verloren gegangen wären. Im Verlauf dieser 20 Jahre ist AIM somit nicht weniger wichtig geworden. Im Gegenteil hat es in der heutigen Zeit noch mehr an Bedeutung gewonnen, denn Jugendliche mit Migrationshintergrund werden immer noch benachteiligt.“

Mit musikalischer Begleitung und abendlichen Buffet verabschiedete sich die Türkische Gemeinde in S-H bei allen ihren Gästen und hofft auf viele weitere Jahre erfolgreicher Zusammenarbeit.

Kiel – TGSH zum 25. Jahrestag des rassistischen Anschlags in Solingen

Presseerklärung
Kiel – TGSH zum 25. Jahrestag des rassistischen Anschlags in Solingen

Am 29. Mai 1993 warfen vier Rechtsextreme in Solingen Brandsätze in das Haus der Familie Genç und töteten zwei Töchter, zwei Nichten und eine Enkelin des Ehepaars Mevlüde und Durmuş Genç.

Auch nach 25 Jahren möchte die Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein an die Opfer dieses schrecklichen Anschlags erinnern.

Schließlich waren es gerade solche Anschläge wie in Mölln, Rostock und Solingen, welche die Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein damals im Jahr 1995 zu ihrer Gründung bewegten. Das vorrangige Ziel war, gegen diese Welle der Gewalt ein Zeichen zu setzen und einen Appell an die Gesellschaft und die Politik zu richten.

Die Hoffnung war, dass durch eine langjährige Integrationsarbeit Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt gegen Einwander_innen und ihre Nachkommen der Nährboden entzogen wird und die Gesellschaft keinerlei rassistische Gewalt mehr duldet.
Jedoch brennen heute wieder Häuser, inzwischen Flüchtlingsunterkünfte – erschreckenderweise in einem bisher noch nie da gewesenen Ausmaß.

„Zurückzuführen ist dies häufig auf den nur sehr schwer zu beseitigenden latenten Alltagsrassismus, der den Nährboden für solche Gewalttaten bildet und dem viele Millionen von Menschen in Deutschland und Europa weiterhin ausgesetzt sind“, sagt Dr. Cebel Küçükkaraca, Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Schleswig-Holstein.

Diesen Alltagsrassismus den Menschen bewusster zu machen, bleibe weiterhin eine zentrale Aufgabe bei der Gestaltung einer besseren Zukunft Deutschlands und Europas. Wichtig sei auch die Erkenntnis, dass Gewalttaten gegen Flüchtlingsunterkünfte vielfach nicht durch hochorganisierte Gruppen begangen würden, sondern durch frustrierte Einzeltäter oder Kleingruppen, die sich teils spontan zu diesen Anschlägen hinreißen ließen.

Hinzu komme, dass das Vertrauen der Migrantenbevölkerung in die Politik und in die Gesellschaft seit der Aufdeckung der NSU Morde gemeinsam mit den steigenden rassistischen Angriffen abgenommen habe. Dieses Vertrauen könne nur durch eine umfassende strafrechtliche Aufklärung aller rassistischen Morde und Anschläge sowie eine breitere und konsequente Sensibilisierung mit dieser Problematik von Seiten der Politik wieder aufgebaut werden.

Erfreulich sei nach Küçükkaraca dagegen, dass gerade in dieser politisch schwierigen Zeit die Hinterbliebenen Deutschland nicht mit Hass betrachteten, sondern trotz dieses Schicksalsschlags gelernt hätten, diese Gesellschaft zu lieben und sich für ein versöhnliches, solidarisches und demokratisches Deutschland einzusetzen.

Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V., Elisabethstr.59 , 24143 Kiel
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